Monatsarchiv für Mai 2007


 Neue Lieder Im Museumskeller Nummer 2

Guten Tag,

vor fast genau einer Woche haben wir im Museumskeller eine Handvoll neue Lieder vorgestellt, was allen Beteiligten viel Spass gebracht hat. Beweisfotos unter media. Obwohl unser lieber Freund AL DELONER den Soundcheck verpasste: “ I went to the club Engelsburg.“,  traf er dann doch mitten im Konzert ein und wir konnten wunderbar gemeinsam musizieren. Irgendwie ging das Ganze fast drei Stunden und am Ende waren Publikum und Band konditionell an selbigem. Wenn das so weiter geht, können wir es bald mit gestandenen Bluesmusikern aufnehmen und in Ruhe alt werden.
Bis gleich

Andreas

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 Ein Aua aus dem Jenseits

Über die neue Platte von Anger 77
von Paolo Fusi, Januar 2005, hEFt

Siggi, ich weine. Die Sonne geht ja unter, mit dem melancholischen Keyboard des gleichnamigen ersten Liedes. Herbst, Stille, feuchte morbide Düfte. Sparsame Instrumentierung – ich weiß, ich weiß: Weniger ist mehr … ich frage mich, wie es den Jungs gelungen ist, unter der spanischen Sonne so traurig zu spielen, so eine nördliche Scheibe aufzunehmen. Der Spagat ist imposant: nach Liebe schreien, dann zu anderen Themen übergehen. Weiter schreien, immer leiser, wie eine schwindende Kraft, die mit der Sonne andächtig untergeht…

»Betrunken von der Liebe« heißt die neue Platte von Anger 77. Eine eben letzte, fast verzweifelte Liebe, die wie ein Schrei des letzten Wals in einer desolaten Polarnacht erklingt. Dabei fühlen wir Schuld. Wir haben nicht geholfen, als es notwendig gewesen war. Haben sie uns verzeihen können?

Die neue Anger 77 ist eine Art »Auf-den-Punkt-bringen« von vielem, das wir geliebt, dann gehaßt, dann wieder geliebt haben – abhängig von den Phasen unseres Älterwerdens: Wolfgang Niedecken, Konstantin Wecker, Joachim Witt … Siggi, entschuldige, aber auch dazu weine ich. Aus aufrichtiger Zuneigung, aus Rührung, teilweise aus Verlegenheit. Das Lied über dein Leben in der Kaufhalle (es heißt »13«) ist nicht nur ein Meisterwerk eines deutschen Musikers, sondern ein »Aua« aus dem Jenseits, ein Ruf ohne Hilfe, ein Gefühl des Lebens – des echten Lebens – das aus jenem Alltag explodiert, majestätisch.

Siggi, nimm es nicht übel, aber ich liebe es. Als ich wieder nach Erfurt zog, habe ich nicht mal die Koffer ausgepackt. Ich ging als erstes zum Anger 77-Konzert. Pathetisch? Na und? Habt ihr je Wilhelm Genizano gelesen? Ausbildung ist auch eine Einbildung – um Knarf Rellöm anzusprechen. Ich habe Gefühle, auf die ich stolz und für die ich dankbar bin. Anger 77 ist eines davon.

Siggi, die Sonne geht wieder auf. Eine neue Platte von deiner Band ist da. Danke, von Herzen. Lächeln, tief atmen, Kraft tanken, weitergehen. Das Beste steht noch bevor.

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